Fährbinden heißt Klimaschutz

Erderwärmung

In einer Zeit, in der unsere Enkel und Kinder gegen die schon weit fortgeschrittene Klimakrise demonstrieren, in der die Polkappen abschmelzen, die Meeresspiegel ansteigen und extrem Wetter gehäuft immense Schäden hinterlassen, können wir Menschen nicht einfach so weitermachen wie bisher. Großen Teilen der Wirtschaft und der Politik ist dies jetzt auch deutlich geworden. Die Umstellung auf erneuerbare Energien, umweltschonendere Mobilität nimmt immer mehr Gestalt an, der Ausstieg aus der umweltbelastenden Kohleenergie ist beschlossene Sache. Aber das allein wird nicht ausreichen. Auch im lokalen Bereich müssen wir unseren Beitrag dazu leisten. In unserer Region der niedersächsischen Elbtalaue heißt das u. a. Verzicht auf eine dritte, die Atmosphäre mit anheizende Elbbrücke. Wie sollen wir die Klimaziele erreichen, wenn noch nicht einmal verzichtbare Projekte unterlassen werden?

Das fast 30-jährige Festhalten am Bau einer solchen Brücke hat jetzt schon deutliche Schäden in der Region hinterlassen. Die Fähre von Bleckede wird stiefmütterlich behandelt, weil man das große Geld ja für eine Brücke braucht. So hätte der Landkreis Lüneburg schon längst eine größere und umweltschonendere Fähre für die Elbquerung in Bleckede anschaffen können, um damit die Situation für die Schüler*innen und Pendler*innen zu verbessern, aber das Starren auf die Brücke verhinderte diese sinnvolle Maßnahme. In diesem Jahr (2020) stand eigentlich der Kauf einer neuen elektrisch oder mit Wasserstoff betriebenen Fähre an. Dieses Projekt wurde allerdings vorerst aus einer Koalition von CDU, FDP und AFD gestoppt, weil angeblich nicht genug Geld in der Kreiskasse sei. Lieber möchte man stattdessen eine Elbbrücke, die mit der notwendigen Verdichtung und Versiegelung des Bodens, der Stahl-und Betonproduktion die Klimakrise weiter anheizt. Das Starren auf die Brücke hat auch eine stärkere finanzielle Förderung der auf die Elbquerung angewiesenen Pendler verhindert. Für die ca. 1,5 Millionen €, die für die Unterhaltung der Brücke jährlich nach dem Bau zu zahlen wären, könnte der Landkreis den Schüler*innen und Pendler*innen die mobile Elbquerung kostenlos ermöglichen und hätte sogar noch etwas übrig.

Das Starren auf die Brücke hat bis jetzt wichtige Infrastrukturmaßnahmen im Amt Neuhaus, die 2016 auf Initiative des Landkreises Lüneburg von drei Ingenieurbüros erarbeitet worden sind, verhindert. So wurde die Digitalisierung der Gemeinde Amt Neuhaus als wichtig erachtet, damit sich kleine Unternehmen aus der Digitalbranche in der Region niederlassen können oder auch Arbeitnehmer*innen, die im Home Office arbeiten, sich dort eine Wohnung mieten oder ein Haus kaufen. Davon ist das Amt Neuhaus zur Zeit noch weit entfernt. Im Zusammenhang mit der Coronakrise konnte man in diesem Jahr in der Lüneburger Landeszeitung lesen, dass manche Schüler*innen ihre Hausaufgaben nicht machen konnten, weil sie keinen Zugang zum Internet hatten.
Das Starren auf die Brücke hat verhindert, dass der öffentliche Nahverkehr – wie im Gutachten für notwendig erachtet – verbessert wurde.
Sehen wir die jetzt fast 30-jährigen Pläne zum Brückenbau unter diesem Aspekt, dann erweist sich die Brücke nicht als Lösung, sondern als Lösungsverhinderung.